Steckbrief Klein- und Zwergspitz / Pomeranian

(mit geschichtlichen und aktuellen Eckdaten)

Äußere Erscheinung

Sowohl Kleinspitze, als auch Zwergspitze/Pomeranians werden in den Farben schwarz, weiß, braun, orange, graugewolkt und andersfarbig gezüchtet.

Die Widerristhöhe beträgt

  • beim Deutschen Kleinspitz 27 cm ± 3 cm,
  • beim Deutschen Zwergspitz/Pomeranian 21 cm ± 3 cm.

Der Körperbau ist quadratisch (Länge des Hundes = Rückenhöhe) und die Hinterläufe sind nur mäßig gewinkelt.

Der Stopp (= Übergang von der Schnauze/dem Fang zur Stirn) ist bei Klein- und Zwergspitz mäßig ausgebildet bis betont, aber nie abrupt – das Längenverhältnis von Fang zu Oberkopf ist beim Kleinspitz ca. 2 : 3, beim Zwergspitz/Pomeranian ca. 2 : 4.

Klein- und Zwergspitze haben glattes, dichtes, üppiges sog. doppeltes Fell, das eine Halskrause ausbildet, sowie langes Fell an der Rückseite der Vorder- (Federn) und Hinterläufe (Hosen) und eine buschige, über dem Rücken getragene geringelte Rute. Das doppelte Fell unterscheidet sich vom einfachen dichten und langen Fell dadurch, dass es auch im ausgebürsteten Sommerfell immer noch so viel glatte Unterwolle aufweist und fest genug ist, dass es steht (nicht hängt oder anliegt!) und somit sowohl im Sommer, als auch im Winter eine isolierende Schicht um den Körper bildet, die vor Hitze, Kälte und Nässe schützt und beim Klein- und Zwergspitz äußerst pflegeleicht ist.

Beim Pomeranian bedeckt das dichte lange Fell, abgesehen von den Pfoten, den gesamten Körper, bildet daher weder eine Halskrause, noch sichtbare/abgesetzte Federn oder Hosen aus und ist auch nicht pflegeleicht.

Weitere typische Merkmale bei Klein- und Zwergspitz sind der dreieckige fuchsartige Kopf mit kleinen und spitzen Stehohren (sog. „Efeu-Ohr“), sowie die kurzen, runden und steil aufgestellten sog. „Katzenpfoten“.

Beim Pomeranian verschwinden die Ohren fast vollständig im Fell und der Kopf ist weder dreieckig noch fuchsähnlich. Es gibt unterschiedliche Zuchtlinien beim Pomeranian, wobei der sog. „Bärchen-Typ“ einen stark verkürzten Fang und Tendenzen zum Apfelkopf (Vorstufe zum Wasserkopf) hat und somit teilweise bereits zu den brachycephalen Rassen gerechnet wird (auffällig z. B. ständiges Hecheln bei geöffnetem Fang als Ausdruck der Atemnot!). Darüber hinaus sind gerade die sehr kleinen Pomeranian mittlerweile von diversen weiteren und sehr tragischen Fehlern betroffen, wie z. B. der Chiari-like Malformation/Syringomyelie1 (Film).

Vor der Anschaffung eines Zwergspitzes/Pomeranian sollten Sie auf jeden Fall das dazugehörige Merkblatt des QUEN (Qualzucht-Evidenz Netzwerk) lesen.

Sicherlich kann man, wenn sich das gekaufte Tier später als krank erweist, dies beim Züchter monieren. Aber bedenken Sie, dass Sie das betreffende Tier dann bereits in ihre Familie integriert und in Ihr Herz geschlossen haben! Und diesen Schmerz kann Ihnen niemand nehmen!

In der Zwischenzeit haben sich auch verschiedene moderate Übergangsformen zwischen Zwergspitz und Pomeranian etablieren können.

Herkunft, Verbreitung und geschichtliche Eckdaten

Die im Zusammenhang mit dem Spitz gern zitierte und immer noch weit verbreitete Urhund-Theorie Theophil Studers, nach der der Spitz vom steinzeitlichen Torfhund „Canis palustris familiaris Rüthimeier“ abstammen soll, ist bereits seit 1997 durch genetische Untersuchungen widerlegt. Richtig ist:

Spitzartige Hunderassen kamen ursprünglich in ganz Europa, Asien, Afrika und Indien vor – heute sind sie weltweit verbreitet. Die genaue Herkunft des Spitzes (allgemein) ist aber ebenso ungeklärt, wie die anderer Hunderassen auch. Anhand vielfältiger, teils antiker, Abbildungen, Figuren usw., sowie erbgutanalytischer Untersuchungen lässt sich allerdings nachvollziehen, dass es sich bei den Spitzen um eine der ältesten und ursprünglichsten Hunderassen handelt. Insbesondere der in der Antike beliebte und weit verbreitete Melitäer entsprach größenmäßig am ehesten dem heutigen Zwergspitz.

Von der FCI (Federation Cynologique Internationale) wird offiziell Deutschland als Ursprungsland des Deutschen Spitzes benannt.

Zwar wurden in den Anfängen der vereinsmäßigen Spitzzucht in Deutschland die Zwergspitze als solche benannt, bildeten aber dennoch bis 1974 in züchterischer Hinsicht mit den späteren Kleinspitzen eine gemeinsame Zuchtgruppe. Sie unterschieden sich weder im Wesen, noch im Exterieur von den großen Spitzen und bei den wenigen heute noch so gezüchteten Zwergspitzen kann man, wie aus dem obigen Foto ersichtlich wird, anhand der Optik ohne weiteren Bezugspunkt, aus dem die Größe deutlich wird, praktisch nicht sagen, ob es sich bei dem abgebildeten Hund um einen Groß-, Mittel, Klein- oder Zwergspitz handelt!

Pomeranian wurden in England aus den aus dem damaligen Pommern importierten kleinen Spitzen und dem Volpino italiano gezüchtet und waren ursprünglich ungefähr so groß wie ein heutiger sehr großer Klein- oder auch sehr kleiner Mittelspitz, also um ca. 30 cm. Sie hatten weder zu kurze Köpfe, noch verschwanden sie in ihren eigenen Fellmassen. Die Hunde Marco und Gina von Queen Victoria waren beispielsweise beide Volpinos – zur damaligen Zeit wurde in dieser Hinsicht noch nicht so deutlich unterschieden wie heute. Es gibt auch eine ganze Reihe von Vermutungen zu der Frage, ob dort noch andere Hunderassen wie der Chihuahua zum Zwecke der weiteren Verzwergung, eingekreuzt wurden – Belege dazu fehlen allerdings.

Obwohl die Unterschiede im Typus der Hunde absolut unübersehbar sind, wurde die Bezeichnung „Pomeranian“ einfach nur als ausländisches Synonym für den Zwergspitz dargestellt. Und um keinerlei Zweifel an der standardbestimmenden Hoheit des VDH aufkommen zu lassen, beschloss der Verein für Deutsche Spitze 1974 die Aufteilung der kleinen Spitze in Klein- und Zwergspitz, um die zwischenzeitlich vollkommen verzüchteten importierten Pomeranian unter dem Standard des Deutschen Spitzes subsummieren zu können.

Eigenschaften

Deutsche Spitze sind traditionelle Wachhunde mit sehr enger Beziehung zu ihrer Familie und ihrem Territorium. Sie sind seit je her bekannt für ihre gute Wachsamkeit und Unbestechlichkeit. Diese Eigenschaften treffen auch auf die kleinen Vertreter der Spitze zu – Charakter hat ja nicht unbedingt etwas mit der Körpergröße zu tun.

Klein- und auch Zwergspitze sind sehr temperamentvolle und trotzdem hingebungsvolle Familienhunde, haben aber manchmal (nicht immer) eine etwas größere Neigung zum Bellen. Bei manchen ist es einfach Ausdruck ihrer Lebensfreude – bei anderen dagegen der Versuch, auf sich aufmerksam zu machen. Keineswegs darf man sich allerdings darauf einlassen, ihre Erziehung zu vernachlässigen, weil sie so klein und putzig sind!

Selbst die kleinsten Zwergspitze sind aufgrund ihrer besonderen Cleverness, Schnelligkeit, Wendigkeit und Sprungkraft im Hundesport sehr erfolgreich – Ausdauertraining ist für sie allerdings ebenso wenig geeignet wie für ihre große Verwandschaft.

Besonders typisch für Spitze jeder Größe ist, dass sie sich, angetrieben von ihrer überschäumenden Neugier, ungewöhnlich oft auf die Hinterbeine stellen, leichtfüßig tänzeln und auch laufen oder zweibeinig herumhopsen, um nur ja nichts zu verpassen – sie sind begnadete Akrobaten und Clowns. Vor größeren Hunden beschützen muss man sie nicht, sofern man sie nicht von ihnen so lange zurückhält, dass sie am Ende ihre gute Kinderstube vergessen haben und, getrieben von ihrer eigenen Selbstüberschätzung (zu der neigen Spitze bisweilen) die „Großen“ hemmungslos anpöbeln. Sie können sich nämlich auch weit größeren Hunden gegenüber i. d. R. erstaunlich gut behaupten/durchsetzen.

Spitze haben ein ungewöhnlich gutes Gedächtnis und sind sehr selbstbewusste, manchmal auch eigensinnige Persönlichkeiten.

Bibliografie

Die Angaben mit vorangestellter Jahreszahl beziehen sich auf wissenschaftliche Publikationen, die mit vorangestelltem Namen des Autors/der Autoren/Herausgebers auf Bücher.

Dieses und weiteres Material finden Sie unter: Deutscher Spitz – Infozentrum (Sofern es nicht ausschließlich käuflich zu erwerben ist!)

Autengruber-Thüry, Heidelinde, Hunde in der römischen Antike. Rassen-Typen-Zucht-Haltung und Verwendung, Archäopress, 2021

Drossard, Hartwig: Spitze sind spitze, Kynos-Verlag, Mürlenbach, 1999

Götz, Theodor: Hunde-Gallerie oder naturgetreue Darstellung des Hundes, Verlag der Kunsthandlung von Eduard Lobe, Weimar, 1838

Hennecke, Joseph: Der Deutsche Spitz, Buchreihe Freund Hund, Bd. 18, herausgegeben unter dem Patronat und im Auftrage des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) e. V. vom Verein für Deutsche Spitze e. V. 1899, Otto Meissners Verlag, Schloß Bleckede an der Elbe, 1962

Jäger, Werner: Der Deutsche Spitz, Buchreihe Freund Hund, Bd. 18, herausgegeben unter dem Patronat und im Auftrage des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) e. V. vom Verein für Deutsche Spitze e. V. 1899, Otto Meissners Verlag, Schloss Bleckede an der Elbe, 1977

Krichler, Franz: Katechismus der Hunderassen, Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig, 1892

Reichenbach, P. G. Ludwig: Der Naturfreund – Naturgeschichte des In- und Auslandes, Verlag der Expedition des Naturfreundes, Leipzig, 1834

Strebel, Richard: Die Deutschen Hunde, Bd. I, Verlag Eduard Koch, München, 1904

Umlauff, Gerda M.: Unsere Spitze, Lehrmeister-Bücherei Nr. 522, Albrecht Philler Verlag, Minden 1977

  1. 2023 Santifort, K. M.et al., Phenotypic characterization of Pomeranians with or without Chiari-like malformation and syringomyelia ↩︎